Te Anau und Milford Sound

Nach unserem Aufenthalt in der Stadt der Extreme – Queenstown – hatten wir beschlossen die südlicheren Gefilde Neuseelands zu erkunden und kamen nach zwei Stunden Autofahrt in der kleinen Stadt Te Anau an. Dort hatten wir uns für 5 Nächte in dem „Te Anau Lakefront Motel und Backpackers” ein Zimmer gebucht. Da wir zu fünft waren bekamen wir eine Moteleinheit mit kleinem Bad und Küchenniesche ganz für uns alleine und genossen es, die Einrichtungen endlich einmal nicht mit anderen Gästen teilen zu müssen. Wohnt man für längere Zeit in Jugendherbergen lernt man solch einen Luxus richtig zu schätzen.

Von Te Anau aus wollten wir die Soundlandschaft erkunden und hatten für diesen Zweck bei „Book Me” eine vergünstigte Bootsfahrt durch den Milford Sound gebucht. „Book Me” ist vergleichbar mit dem Anbieter in Deutschland bekannten „Groupon”, nur dass sich diese Website auf bestimmte Regionen dort bezieht und zum Beispiel die Gletschergegend nicht in ihrem Programm hat. Für die Gegend rund um den Milford Sound kann man aber viele Rabatte finden und nach ein paar Mausklicken hat man eine Tour für einige Dollar weniger gebucht. Wir hatten uns dann auf den Weg zu unserem Cruise gemacht und wie auch immer wir das hinbekommen hatten – wir haben unser Boot verpasst! An sich muss man für die Strecke von Te Anau bis zum Sound mit zwei Stunden Fahrt rechnen, wir sind sogar zweieinhalb Stunden früher losgefahren, haben aber an den schönen Aussichtspunkten vollkommen die Zeit vergessen und konnten unserem Boot nur noch hinterher winken… Nett wie die Neuseeländer aber sind, haben wir ohne jegliche Umbuchungskosten einen Cruise zwei Tage später bekommen – und dieser war sogar eine viertel Stunde länger wie der Eigentliche! Diese 15 Minuten machen den Unterschied, dass man bei der längeren Fahrt bis an die Meeröffnung fährt, im Prinzip lohnt sich diese „Schleife” aber nicht wirklich. Der Cruise an sich ist jedoch wunderschön und ein unbedingtes Muss! Von unserem Boot der Veranstalter „Juicy Cruises” aus konnten wir die märchenhafte Landschaft des Fiords bewundern und da es kurz zuvor noch geregnet hatte schossen überall Wasserfälle die Hänge hinunter – an diese fuhren wir auch so nah heran, dass man aufpassen musste, nicht klatschnass zu werden. Einige Robben sahen wir natürlich auch und unsere 1, 45 h Tour durch den Milford Sound war ein kompletter Erfolg! Nur eine Jacke sollte man auch an warmen Tagen mitnehmen, da es Richtung Meer recht frisch werden kann…

Außer unserem Milford-Cruise haben wir auch die Glühwürmchenhöhle am anderen Ende des Sees bei Te Anau besichtigt und uns dort wie in einer fernen Galaxie gefühlt. Man fährt auf einem Speed-Katamaran bis zum Einstieg der Höhlen und bevor das Abenteuer losgeht werden alle Gäste in kleinere Gruppen unterteilt und über das Leben eines Glühwürmchens informiert. Danach geht man ca. 10 Minuten bis zu dem kleinen See inmitten einer der Höhlen (das gesamte Höhlensystem zu durchwanden, würde drei Tage dauern), an dessen Ufer man in ein kleines Holzboot einsteigt und von dem Guide an einem Seil durch die Höhle gezogen wird. In dieser dunklen Kammer kann man die eigene Hand vor Augen nicht mehr sehen, dafür aber umso schöner und beeindruckender die Kolonien von Glühwürmchen! Man fühlt sich wie in einer anderen Welt, wenn man in der Stille und Dunkelheit durch den See gleitet und so nah an den leuchtenden Tierchen vorbeikommt, dass man sie mit Leichtigkeit berühren könnte. Dieser Ausflug lohnt sich auf jeden Fall und wenn man etwas Zeit auf dem Weg zum Milford Sound mitbringt, dann sollte man diese andere Welt erforschen!

Ansonsten kann man um Te Anau und auf dem Weg zum Milford Sound noch einige schöne Orte zu Fuß erkunden, wie zum Beispiel die kleinen Seen oder Wasserfälle, welche an der Straße ausgeschildert sind. Der Tunnel auf halben Weg ist ein kleines Highlight der Strecke zur Soundlandschaft, einspurig fährt man durch diese dunkle und enge Röhre unter einem Berg durch und wenn ich ehrlich bin, dann war ich jedes Mal heilfroh, als wir am anderen Ende ankamen. Kurz vor diesem Tunnel auf dem Hinweg liegt auch der Einstieg zu einer der tollsten Wanderrouten, die ich je gelaufen bin: Gertrude Saddle. In etwa 6 Stunden läuft man auf diesen Bergsattel an einem wunderschönen schwarzen Gebirgssee und riesigen Geröllfeldern mit Wasserfällen vorbei bis man oben ankommt und aus dem Staunen kaum mehr herauskommt. Der Ausblick erstreckt sich über den ganzen Milford Sound hinaus bis aufs Meer und wer bis dahin gezweifelt hat, dass Neuseeland zu einem der schönsten Fleckchen der Erde zählt, der findet hier den Beweis! Auch wenn man Stunden dort oben verbringen könnte sollte man aber auf das Wetter achten, da dieses extrem schnell in dieser Gegend umschlagen kann und meist recht regnerisch ist. Die steilen Geröllfelder möchte man nicht bei schlechtem Wetter hinunterklettern, gekennzeichnete Wege gibt es dort oben nämlich nicht mehr. Genau diese wilde Schönheit macht die Wanderung aber so einzigartig und wer ein bisschen Erfahrung und die richtigen Schuhe im Gepäck hat, der sollte sich das nicht entgehen lassen!

Um dort wandern zu gehen, hatten wir uns nach unserem Aufenthalt in der Moteleinheit in Te Anau auf zu einem etwas abenteuerlichen Trip gemacht: Wir wollten drei Tage in meinem Auto und einem Zelt auf den DOC-Campingplätzen entlang der Straße zum Milford Sound campen. Nachdem die erste Nacht aber so ungemütlich im Regen geendet hatte und wir morgens durchgefroren und pitschnass nicht mehr so viel Lust auf weitere Nächte im Zelt hatten, beschlossen wir, die restlichen zwei Nächte in einer Hütte des Routebourne Camps zu verbringen. Dieses Camp ist eine Nummer für sich, man kann sich dort in kleine urige Hüttchen einquartieren, welche 1920 von den Bauarbeitern der Verbindungsstraße zwischen Te Anau und Milford Sound bewohnt wurden. In dem kleinen liebevoll gestalteten Museum kann man kostenlos einen tieferen Einblick in das damalige Treiben erhalten und es gibt originale Werkzeuge und vieles mehr zu bewundern. Das Camp an sich hat seinen ganz eigenen Charme und auf dem ganzen Gelände sind kleine lustige Schilder oder ähnliches aufgestellt, die einen auch an regnerischen Tagen ein Schmunzeln entlocken. Vor allem aber die kleinen Hüttchen sind so besonders: Man muss selbst mit einem alten Holzkohleofen einheizen und man fühlt sich um 100 Jahre zurückversetzt- unsere Hausmaus war natürlich ein besonderes Extra, nur unser Käse hat sich nicht so darüber gefreut…

Von diesem Camp aus haben wir auch zwei Wanderung durch den umliegenden Regenwald gemacht- erstere war im Prinzip planlos und nach einer Stunde durch den tiefsten Urwald und über spektakuläre Brücken haben wir sicherheitshalber den Rückweg angetreten. Letztere ging von dem Ende der Schotterstraße los und führte bis zu einem sehr schönen Wasserfall durch Regenwald und an einem Fluss entlang. Die Besitzer des Camps kennen die Gegend dort wie ihre eigene Hosentasche und wenn man sich etwas die Füße vertreten möchte, haben sie immer einen guten Tipp für einen. Es gibt auch viele mehrtägige Wanderrouten rund um den Fiord, für genauere Informationen kann man in der Touristeninformation günstige und detailierte Karten kaufen.

Nach drei Nächten in der Soundlandschaft kehrten wir aber wieder zurück nach Ta Anau um am nächsten Tag weiter Richtung Süden zu fahren, dieses Mal zu den Catlins…