Neue Woche, neues Glück. Die Jobsuche hat leider immer noch nichts gebracht und so langsam dürfte das auch keinen Sinn mehr haben, weil wir in knapp einer Woche von Auckland aufbrechen. Dabei wäre eine Aufbesserung der Reisekasse alles andere als schlecht gewesen. Aber immerhin hat man jetzt für die Zukunft gelernt beziehungsweise kann ich anderen den Tipp geben, sich ein bisschen eher zu kümmern als ich es getan habe.

In dieser Woche waren wir auf Waiheke – der Ferieninsel der Aucklander und am Wochenende soll hier förmlich die Hölle los sein. Unter der Woche hat man davon gar nichts gemerkt und um sechs Uhr Abends wurden die Bürgersteige bereits hochgeklappt. Ehrlich gesagt kann ich sehr gut nachvollziehen, warum so viele aus der Großstadt flüchten und sich hier auf Waiheke eine kleine Auszeit vom Alltag gönnen. Die Strände, das türkisblaue Wasser und die Felsformationen sind wirklich einen Ausflug wert. Ich kann wirklich behaupten, dass ich so was schönes schon lange nicht mehr gesehen habe. Man schaut sich die ganze Landschaft an und man kommt sich so ein bisschen wie im Traum vor. Dass ich jetzt wirklich hier in Neuseeland bin, realisiere ich manchmal noch gar nicht richtig.

Der Inselbus, günstig ist das Tagesticket für 8 Dollar, hat uns dann über teilweise sehr steile und schmale Straßen von Strand zu Strand gebracht. Vorbei ging es an einer Vielzahl von Weingütern, wofür Waiheke schließlich sehr bekannt ist. Es gibt teilweise schon Weinvorbestellungen, da ist die Traube noch nicht einmal geerntet. Er erfreut sich anscheinend großer Beliebtheit. Ich habe ihn leider noch nicht probiert, obwohl wir Gutscheine für eine Weinverkostung hatten. Man verschätzt sich wirklich sehr mit solchen Tagesausflügen und bräuchte am Ende immer mehr Zeit, als man zur Verfügung hat.

In dem fast überall ausliegenden Informationsmaterial über Auckland und Neuseeland gibt es eine Vielzahl von Gutscheinen beziehungsweise Coupons, die man nutzen kann. Im Durchschnitt spart man damit rund 10% von Eintrittspreisen, in Souvenirshops, bei Ausflügen und weiteren Dingen. Wenn man als backpacker mit dem häufig kleinen Portemonnaie unterwegs ist, bietet sich dies schon an. Allgemein bekommt man in den Touristinformationen sehr viel kostenloses Prospektmaterial mit Karten und näheren Erläuterungen zu den Städten oder Landschaften, sodass man sich eigentlich gar keine Reiseführer besorgen muss.

Ich glaube, wir haben ungefähr 3 Kilogramm Muscheln von Waiheke mitgebracht, mit denen wir dann unseren Van schmücken werden. Wir richten uns sozusagen ein wenig heimisch ein, wenn wir schon 5 Monate im Auto wohnen müssen. Unser Van, ein Nissan Vanette aus dem Jahr 2000, den wir wahrscheinlich kaufen werden, steht noch in der Werkstatt und in zwei Tagen können wir ihn dann abholen. Das wird dann mein zweites Auto, das ich kaufe und wir sind beide, ich und meine Freundin, schon ziemlich aufgeregt. Insgesamt müssen wir 7000 Dollar (so umgerechnet 3600 Euro) aufbringen, was doch schon ziemlich ordentlich ist für einen Backpackervan, jedoch bin ich zuversichtlich, dass wir wenigstens keine Probleme damit haben werden und unsere Reise unbeschwert genießen können. Wir kaufen den Van mit einer buyback-Option, das heißt, dass wir ihn am Ende zu einem bestimmten Prozentsatz wieder an den Verkäufer zurückgeben. Das erspart die Suche nach einem Käufer am Ende unserer Reise. Grade wenn wir nach Hause aufbrechen wird es in Neuseeland Herbst und Winter, sodass die Zahl der potenziellen Käufer in der Nebensaison wesentlich geringer ist. Das ist schon sehr praktisch. Im Gegenzug erhält man aber weniger Geld zurück, als man vielleicht bei einem individuellen Verkauf erzielen könnte. Wegen dem Autokauf hatten wir auch schon unseren ersten größeren Streit (Hoffentlich bleibt dies auch der einzige), wobei dies hauptsächlich an unterschiedlichen Preisvorstellungen lag. Am besten spricht man sich in der Richtung vorher besser ab, damit man weiß, wie der andere darüber denkt und man sich schneller einigen kann. Streitereien wollte ich aus dem Weg gehen, was wahrscheinlich auch nie ausbleiben wird, jedoch gleich am Anfang ist das nicht sonderlich angenehm. Jetzt, wo wir den passenden Van gefunden haben, haben sich die Wogen wieder einigermaßen geglättet.

So langsam bereiten wir uns auch auf unser zukünftiges Leben als Dauercamper vor. Die ganzen Sachen wie Schlafsäcke, Geschirr, Gaskocher, Stühle und ein Tisch zum gemütlichen Verweilen vor dem Van, das Rezept für Stockbrot (sehr lecker über dem Lagerfeuer) und die kleinen Dinge, die man braucht, um es sich auf die Dauer halbwegs angenehm zu machen, werden dann auch demnächst besorgt. Eine Solardusche haben wir auch schon entdeckt. Das Ding wird natürlich ausprobiert. Beim „wilden“ Campen wird man nicht immer in den Genuss einer Dusche kommen. Da kommt dann die billige Alternative zum Einsatz. Von Auckland aus wird es erstmal Richtung Süden gehen und laut unserem groben Plan wollen wir dann Ende November in Neuseelands Hauptstadt Wellington sein, um unseren Mitfahrer abzusetzen- also knapp zwei Wochen von hier bis an die Südspitze der Nordinsel.
Danach wollen wir immer mal wieder versuchen, jemanden mitzunehmen. So lernt man einerseits mehr Leute kennen und kann auch die anfallenden Kosten auf mehr Personen verteilen. Auf der anderen Seite spricht man dann auch hoffentlich mehr Englisch, als das bis jetzt der Fall gewesen ist. Das ist so ziemlich das einzige, was ich bisher vermisse, aber wenn man zu zweit unterwegs ist, läuft es zwangsläufig darauf hinaus, dass man sich nur in seiner Muttersprache unterhält.
Seit circa einer reichlichen Woche hab ich auch das starke Gefühl weiterfahren zu wollen, um etwas neues zu sehen. Auckland ist zwar ganz nett und man kann hier viel unternehmen, aber nach vier Wochen in der Großstadt sehnt man sich nach ein bisschen mehr Natur und wir sind schließlich nicht nur wegen Auckland nach Neuseeland gekommen!

Mittlerweile findet man überall in den Geschäften und auf der Straße Weihnachtsdekoration und es wird einem dann doch so langsam bewusst, dass es gar nicht mehr so lange bis dahin ist. Mit den Geschenken für die zu Hause gebliebene Familie wird es wohl dieses Jahr dürftig ausfallen. Bei der günstigsten Versandart muss man es spätestens Ende November losschicken und bezahlt trotzdem noch knapp 50 Dollar für ein Paket bis zwei Kilogramm. Da müssen die Mitbringsel dann ein wenig größer ausfallen. Man macht sich natürlich auch seine Gedanken, wo und wie man dieses Jahr Weihnachten feiert. Entweder wir arbeiten oder setzen uns zu zweit an den Ninety Mile Beach und lassen uns die Sonne auf den Körper scheinen. Aber trotz der Weihnachtsmänner mit Sonnenbrille und Surfbrett, wahlweise auch Jetski, will bei mir noch keine Weihnachtsstimmung aufkommen, woran wohl auch das Wetter Schuld ist. Wir haben hier schon mehrere Deutsche getroffen, die bereits seit Jahren in Neuseeland leben, sich aber auch noch nicht daran gewöhnen konnten, Weihnachten im Sommer zu feiern. Das scheint also normal zu sein. In den letzten Tag war es in Auckland so wechselhaft war, dass man fast ein Schleudertrauma bekommen hat. Neulich hörte ich einen Spruch über Neuseelands Wetter: „Alle Jahreszeiten an einem Tag“. Da ist schon wirklich etwas Wahres dran und vor allem der Wind ist ziemlich kalt. Vor zwei Tagen waren wir am Strand in Takapuna, wo ich zum ersten Mal in meinem Leben im November im Meer baden war. Es war furchtbar kalt, wenn man rausgekommen ist. Der Wind hat einen fast weggefegt. Bis zum nächsten Mal warte ich wohl noch ein paar Wochen.

In der VektorArena, die hier praktisch vor unserer Tür steht, waren wir mittlerweile auch schon. Die Band Nickelback hat hier ihr einziges Neuseelandkonzert gegeben. Es war wirklich ein toller Abend und wir haben gleichzeitig die Feierqualitäten der Neuseeländer getestet und sie haben mit Bravur bestanden. Das ist schon ein wenig ironisch. In Deutschland wollte ich schon immer zu denen auf ein Konzert, aber erst hier in Neuseeland habe ich es geschafft- gute 18.000 Kilometer entfernt☺.

Wenn ich auf die letzten vier Wochen zurückblicke, kommt es mir vor, als wäre die Zeit wie im Flug vergangen. Einerseits habe ich das Gefühl, noch gar nicht so lange hier zu sein, aber andererseits kommt mit mein letzter Tag zu Hause wie eine Ewigkeit vor. Wenn die restliche Zeit auch so schnell vergeht, bin ich bald wieder zu Hause!