Die Herrschaft der Vögel

Bevor die ersten Menschen Neuseeland besiedelten war die Insel bestimmt ein extrem lauter Ort. Große Teile der üppig bewachsenen, heimischen Büsche unterstützt eine unglaubliche Vielfalt an Vogelarten. Im Zuge der Evolution Flügel wurden unnötig für manche Vögel, da es keine natürlichen Räuber gab vor denen sie hatten weg fliegen müssen. Daraus resultierte, dass einige der neuseeländischen Vögel das Fliegen komplett aufgaben, wie z.B. der Kakapo Papagei, der Kiwi, die Takahe oder den größten Vogel der Welt (nun bereits ausgestorbenen) den Moa.

Unnatürliche Räuber

Als die Maori und die Europäer Neuseeland besiedelten, jagten sie nicht nur die Vogelvielfalt zu Grunde, sie brachten Räuber wie Ratten oder andere Nagetiere auf die Inseln, die das Gleichgewicht der Natur komplett aus der Balance brachten. Diese Tatsache und das Verlieren des natürlichen Lebensraumes führte dazu, dass fast die gesamte Anzahl von Vögeln, darunter eben auch die Moa, Huia, der Kakapo und die Takahe nun vom Aussterben bedroht sind oder gar schon ausgestorben sind.


Kiwi

Der Kiwi ist Neuseelands Nationalsymbol. Er ist nachtaktiv und kann nicht besonders gut sehen dafür aber umso besser hören und – eine Besonderheit unter Vögeln – riechen. Die Nasenöffnung liegt an der Spitze des langen Schnabels mit dem er im Boden nach Würmern und Pflanzenteilen absucht. Er gehört heute zur Gruppe der bedrohten Tierarten und ist nur noch selten und sehr schwer in der Wildnis zu beobachten. Wie dem auch sei, es gibt einige „Kiwi-Häuser“ in Zoos oder National Parks, wo man die selten-gewordenen Nicht-Flieger beobachten kann. Sie mögen vielleicht einen süßen, unschuldigen Eindruck machen, wobei sie ihr eigentliches Wesen sehr kämpferisch und verteidigend gegen Eindringlinge sein kann. Nebenbei vollbringen Kiwis das Kunststück, dass ihre gelegten Eier ungefähr 20 Prozent des Eigengewichts auf die Waage bringen. Seit 1921 steht die Vogelart unter Naturschutz, was den akuten Notstand Kiwi-Anzahl bis heute gerettet hat, da sich der Bestand sich schon etwas erholen konnte.

Moa

Der neuseeländische Riesenvogel Moa ist weltweit der einzige bekannte Vogel der keine Flügel oder gar einen Flügelansatz aufweist. Der Riesen-Moa war einer von elf verschiedenen Moa-Arten, die sich ursprünglich auf beiden Inseln verbreitet haben. Mit einer Größe von ungefähr 3 Metern, war er der größte bekannte Vogel, der auf unseren Planten gelebt hat. Sie legten Eier, die bis zu 4,3 Liter fassten, das kommt einer Größe gleich wie 90 Hühnereier. Wie die meisten Vogelarten, waren die Moas Pflanzenfresser. Um die Nahrung besser verdauen zu können, verschluckten sie schwere Steine, durch dessen Reibung im Magen die harten Zellwände für die vegetarische Kost geöffnet wurden. In manchen gut erhaltenen Moa-Skeletten konnte man bis zu sieben Kilo schweres Geröll finden, was den Tieren bestimmt zu einem „schweren“ Gang verholfen hat.

Die neuseeländischen Ureinwohner, die Maoris, gingen gezielt auf die Jagd nach dieser Vogelart, da sie hervorragende Feder- und Fleischreserven lieferten. Es gibt Indizien, dass die Maoris schon fast regelrechte Schlachtfeste feierten, wobei sie nur das Beste gegessen und die Eier aus den Nestern gestohlen haben. Dieses Verhalten gab den Moa-Arten wahrscheinlich den Todesstoß, da sie nicht in der Lage waren sich selbst so rasch zu vermehren, wie sie getötet wurden. Vermutlich benötigte ein Moa Acht Jahre um geschlechtsreif zu sein, wobei die Fortpflanzung recht langsam erfolgte, da sie nur im Stande waren ein einziges Ei zu brüten.
Daher ist es wohl des Ureinwohners Schuld, dass der Moa-Bestand das Eintreffen menschlicher Zivilisation nicht überlebt hat und das letzte lebende Tier vor ungefähr 400 Jahren das letzte Mal gesichtet wurde.

Andere Vogelarten

Neben den Moas gibt es noch andere verrückte, einzigartige Vogelarten, die von sich reden machen. Da hätte man den Kea (ein einheimische Papagei), Weka, Takahe und den Tui.

Der Kea ist wohl einer der frechsten Vögel auf der Insel, der sich besonders auf der Süd Insel im Fiordland sehr wohlfühlt. Wenn man so einem Vogel auf offener Straße sieht, sollte man auf sein Eigentum etwas besser aufpassen, da diese Papageien auf alles Unbewachte ein Auge werfen und bei der erst-besten Gelegenheit direkt neugierig untersucht wird und gegebenenfalls sogar „geklaut“ wird. Wo bei ihr starker Schnabel als perfektes Werkzeug eingesetzt wird. Ansonsten ernährt sich dieser Bergpapagei grundsätzlich von Früchten, Samen und Wurzeln - aber auch Aas oder Insekten stehen auf seinem Speiseplan.

Der liebenswürdige Weka dagegen ist ein flugunfähiger Vogel mit einer Schwäche für schimmernde, glänzende Objekte, wobei der Takahe mit seinem wunderschönen indigoblauen Federkleid und dem imposanten roten Schnabel ganz im Gegensatz zum Weka die Einsamkeit gegenüber des beschäftigten Tourismus bevorzugt und daher recht selten zu sehen ist. Tatsächlich nahm man an, dass diese Vogelart ausgestorben sei, bis 1948 der neuseeländische Vogelkundler Dr. G.B. Orbell eine gegensätzliche Entdeckung machte und die Welt mit einem gesunden Takahe überraschte.

Und da wäre noch der Tui-Vogel (nicht die Fluggesellschaft), der mit mit seiner recht lauten und kraftvollen Stimme, melodisches Gezwitscher von sich gibt, wobei dieses manchmal von abwechslungsreichen klickenden und schnarrenden Geräuschen unterbrochen werden kann. 2005 gab es in Neuseeland erstmals die Wahl zum Vogel des Jahres, wobei der Tui hierbei als erster Vogel diesen Titel in Empfang nehmen durfte.

Das sterbende Paradies – Wo Vögel nicht mehr fliegen wollten

Weiße Sandstrände so weit das Auge reicht oder lieber die steinige, raue Küste mit bedrohlich rauchenden Vulkanen am Horizont? Bevorzugen sie das weite Meer mit einer atemberaubenden Unterwasserwelt oder lieber seelenruhige Bergseen in unberührter Natur?

Ein Abenteuer in der flachen Steppe und danach eine Klettertour auf den schneebedeckten Gipfel des Mount Cook, dem höchsten Berg des Landes.

Neuseeland bietet alles was das Abenteurerherz begehrt. Der Tourismus boomt. Immer mehr Menschen wandern ans Ende der Welt aus, um sich einen Traum zu erfüllen und dort zu leben wo andere ihren Urlaub verbringen. Seit 1956 hat sich die Zahl der Einwohner verdoppelt. Trauriger Nebeneffekt: ein Drittel der ursprünglich einheimischen Vogelwelt wurde ausgerottet. Mehr als 70 weitere Vogelarten sind vom Aussterben bedroht.

Vor ca. 80 – 100 Millionen Jahren trennte sich Neuseeland vom massiven Superkontinent Gondwanaland ab und driftete in den Südpazifik. Isoliert vom Rest der Welt und ohne menschliche Bevölkerung entwickelte sich eine einzigartige wunderschöne Tierwelt.

Außer dreier Fledermausarten lebten keine Säugetiere auf der Inselgruppe. Unter den Reptilien und Amphibien war einzig die Brückenechse von nennenswertem Körperwuchs. Weite Gebiete von fruchtbarem Buschland sorgten für eine faszinierende Anzahl seltener Vogelarten, die die Vorherrschaft über das Land gewannen.

Es heißt, als James Cook 1769 Neuseeland betrat, sangen die Vögel so laut, dass seine Mannschaft Schwierigkeiten hatte die Segelkommandos zu hören. Das hinderte ihn jedoch nicht daran, das Land im Namen des britischen Königs George III. in Besitz zu nehmen. Damit sollte der Gesang schon bald verstummen. Im Laufe ihrer Entwicklung wurden Flügel, durch fehlende natürliche Feinde vor denen sie fliehen mussten, für heimische Vögel überflüssig.

Einige Arten wurden flugunfähig, darunter der Kiwi, das neuseeländische National- und Wappentier, oder der ausgestorbene Moa, mit bis zu drei Metern Höhe der größte bekannte Vogel. Als sich die Maori und später auch die Europäer auf der Insel niederließen, begannen sie die Vögel zu jagen. Eingeschleppte Säuger wie Wiesel, Ratten oder Possums, massive Waldrodung, der Verlust von Lebensraum führte zu einer tragischen Aussterbewelle, die bis heute andauert.

Der Erhalt der Artenvielfalt ist zum erklärten Ziel der neuseeländischen Regierung und der Naturschutzbehörde geworden. Die Frage ist jedoch, zu welchem Preis? Possums, die 1840 eingeführt wurden, gelten als Staatsfeind Nummer Eins. Die als Plage verschrienen, flauschigen Beuteltiere vertilgen in einer Nacht zusammen bis zu 20.000 Tonnen Pflanzen. Sie sind zum Abschuss freigegeben. Gift scheint die einzige Möglichkeit mit der „Plage“ fertig zu werden.

Der erste fallende Dominostein war jedoch der Mensch. Darf er nun über Leben und Tod anderer Lebewesen richten?

Kristina L.