Andere Länder, andere Sitten – Kulturschock Neuseeland?

Nur weil Neuseeland am Ende der Welt liegt, ist hier nicht alles anders als anderswo. Trotz allem gibt es einige Unterschiede, die man von seiner Heimat nicht gewohnt ist. Aber ob das für den sogenannten „Kulturschock“ reicht? Was ist das überhaupt – ein Kulturschock??

„Ein schockartiger Zustand, den Menschen erleben und fühlen, wenn sie mit einer fremden Kultur zusammentreffen“. So und nicht anders hat es Cora DuBois, eine US-amerikanischen Anthropologin, 1951 formuliert.

Wer dies selbst schon einmal erlebt hat, wird wissen was gemeint ist. Dieser schockartige Zustand umfasst dieses anfängliche Gefühl fehl am Platz zu sein, den Sturz von der Vorfreude und Euphorie vor der Abreise zu einem total verunsichert sein nach der Ankunft. Sich an die neuen Gegebenheiten zu gewöhnen, benötigt Zeit und die sollte man sich auch geben. Wer offen ist und sich auf neue Dinge einlässt, wird sich schnell einleben.

Was wird einem wohl als erstes auffallen, wenn man nach einem stundenlangen Flug völlig zerknirscht aus dem Flugzeug steigt und seine ersten Schritte auf neuseeländischem Boden macht? Wahrscheinlich noch nicht viel, den gerade zu Beginn steht man noch ein wenig neben sich, kann es fast noch nicht glauben jetzt wirklich hier zu sein.

So nach und nach kommen die kleinen feinen Unterschiede, die den Unterschied Neuseeland – Deutschland ausmachen.

Dazu gehören sicher auch Lebensmittel. Wer das klassische deutsche dunkle Mischbrot sucht, wird wohl enttäuscht werden. Für die nächste Zeit schiebt sich das von den Neuseeländern geliebte Toastbrot in den Speiseplan. Das gleiche gilt für Quark, Käse, Kartoffeln – das ist zwar alles vorhanden, aber trotz allem ist es vom Geschmack anders als zu Hause. Noch dazu wird man von der Flut der Produkte in diesen überdimensionalen Supermärkten völlig überrollt! Hier kommt man sich vor wie in einer Lagerhalle und da kann einkaufen doch schon mal zu einer ausgedehnteren Geschichte werden.

Von den Lebensmitteln zieht sich dieser Faden weiter über den Kleidungsstil. Die Neuseeländer mögen es sehr entspannt und dies drückt sich auch in ihrer Kleidung aus. Hier geht man auch im Jogginganzug und Schlappen einkaufen. Auf „dress code“ wird da eher weniger wert gelegt. Sicher ist dies am Anfang für den einen oder anderen sehr befremdlich, man wird sich sicher aber sehr schnell anpassen.
Aber nicht nur der Kleidungsstil ist entspannt, die Menschen selbst scheinen wesentlich lockerer als in Deutschland zu sein. Nicht selten wird man einfach angesprochen und nach dem Befinden gefragt. Man geht er aufeinander zu, ist teilweise herzlicher, was zu Beginn an mancher Stelle ungewohnt ist. Vielleicht gibt man sich auch noch ein wenig wortkarg, weil man diese Art der Offenheit nicht gewohnt ist. Am besten man lässt sich darauf ein, denn wer allzu wortkarg erscheint, kann als unhöflich und abweisend aufgefasst werden.

Neuseeland ist ein wunderschönes Land mit einer wahnsinnig vielseitigen Natur – das wird man spätestens erleben, wenn man angekommen ist. Umso mehr wundert es, dass es sie mit dem Umweltschutz an manchen Stellen nicht so genau nehmen. In Sachen Mülltrennung hapert es noch ein wenig, die fachgerechte Entsorgung von Batterien scheint nicht verbreitet zu sein, die Autos, die Neuseeländer sind mit an der Weltspitze mit dem pro Kopfaufkommen an PKW, sind große Schadstoffschleudern (keine Katpflicht) und noch dazu wesentlich älter im Durchschnitt als dies in Deutschland der Fall ist.

Trotz allem legen sie großen Wert auf den Erhalt ihrer Flora und Fauna, jedoch darf man auch diese Aspekte nicht unter den Tisch fallen lassen. Warum sollte man also immer bei jedem Einkauf die Produkte an der Kasse in Unmengen von Plastiktüten verpackt bekommen? Dahingehend erfolgt auch in Neuseeland ein stärkeres Bewusstsein für solche kleinen Aspekte des Umweltschutzes.

Neuseeland ist ebenso ein Land der Gegensätze – große Städte wie Auckland mit hoch entwickelter Infrastruktur und pulsierendem Leben. Daneben stehen die ländlichen Gebiete, wo man hunderte von Kilometern keine wirkliche Zivilisation, geschweige denn eine Tankstelle vorfindet. Besonders auf der Südinsel wird sich einem dieses Bild öfters bieten. Auch das in Neuseeland und gerade diese starken Gegensätze lassen einem immer wieder verwundert staunen – einerseits scheinbar unberührte Natur und andererseits Großstadtleben. Und auch die Städte unterscheiden sich in ihrer Atmosphäre und Ausstrahlung voneinander wie Tag und Nacht. Da ist das europäisch anmutende Auckland, das schottisch angehauchte Dunedin oder Städte mit Wild West- und Goldgräbercharme an der Westküste der Südinsel.

Man bekommt immer wieder neue, unterschiedliche Eindrücke, die einem vor Augen führen, dass man mit einer anderen Kultur zusammengetroffen ist. Eindrücke, die sich teilweise sehr stark von den eigenen Erfahrungen und Gewohnheiten unterscheiden und wohl diesen Kulturschock ausmachen, der so oft beschrieben wird.

Aber ist so ein Kulturschock nun schlecht oder gut? Kann man das überhaupt so sagen? Man macht ihn durch, empfindet diese Schwankungen von Freude und Aufregung zu Unsicherheit, Angst und Verwirrung. Dies empfindet man wahrscheinlich unweigerlich, wenn man sich in eine fremde Kultur einlebt. Gäbe es keine Unterschiede zwischen den Kulturen, würde diese Eingewöhnungsphase wohl ebenso wegfallen. Aber gerade diese Kulturunterschiede machen das Reisen zu dem, was es ist – Neues entdecken und dem gegenüber offen sein, den eigenen Horizont erweitern, Dinge über sich selbst und andere lernen, auf eigene Faust entdecken um nicht auf Erzählungen anderer zu bauen.

„Zum Reisen gehört Geduld, Mut, Humor und daß man sich durch kleine widrige Zufälle nicht niederschlagen lasse.“ (Adolph von Knigge)


Mix aus Kulturen

  • Starke Kontrast zwischen sehr ländlich, abgelegen und städtisch

Neuseeland Kulturschock - Kulturschock im Land der Weissen Wolke

Als Kulturschock bezeichnet man das Gefühl, das sich einstellen kann, wenn Sie längere Zeit in einem fremden Land leben. Das ist völlig normal und eigentlich relativ harmlos, kann sich aber trotzdem vorübergehend in eher unschönen Gefühlen ausdrücken.

Dazu gehören ein diffuses Gefühl von Glück und Traurigkeit zur gleichen Zeit, scheinbar unbegründetes Weinen, Verwirrung, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Wut, Einsamkeit, Entscheidungsunfähigkeit sowie die Lust, einfach nach Hause zurückzukehren.

Der Kulturschock ist eine normale Reaktion. Denken Sie daran, dass er nur vorübergehend ist und normalerweise immer den gleichen Regeln folgt, diebei fast jedem internationalen Studierenden ähnlich sind:

  • Die Angst vor dem Verlassen des Elternhauses,
  • die Faszination nach Ihrer Ankunft,
  • der erste Kulturschock (Verwirrung und Unsicherheit in der neuen Umgebung),
  • oberflächliche Anpassung (Umgang mit grundlegenden kulturellen Unterschiede),
  • emotionale Isolation (Gefühl des Alleinseins und das Fernsein von vertrauten Dingen).


Was kann man dagegen tun?

Der Kulturschock ist eine ganz normale Reaktion. Machen Sie sich keine Sorgen – nur weil Sie vor allem am Anfang vielleicht ein paar Probleme damit haben werden, den schon sehr speziellen „Kiwi-Akzent“ zu verstehen, sind Sie noch lange nicht dumm! Es braucht einfach Zeit, sich auf eine neue und fremde Umgebung einzulassen und noch viel länger, sich dort wohl zu fühlen!

Versuchen Sie, sich möglichst schnell mit der neuen Kultur vertraut zu machen. Seien Sie offen und reden Sie mit den „Kiwis“ – Sie haben die Möglichkeit, Freunde fürs Leben zu finden.

Bleiben Sie in Kontakt mit Ihrer Familie und Ihren Freunden, aber isolieren Sie sich auch nicht von Ihren Mitstudentinnen und Studenten.

Stellen Sie Fragen. Die Neuseeländerwerden in der Regel gerne versuchen, Ihnen die kulturellen Unterschiede zu erklären, wenn Sie darum bitten. Es kann auch eine gute Gelegenheit sein, von Ihrer eigenen Kultur zu sprechen.
Lassen Sie sich nicht hängen, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes! Werden Sie körperlich aktiv! Werden Sie zum Beispiel MItglied in einem Verein – das ist interessant und lustig, und Sie lernen dadurch schnell neue Leute kennen.

Finden Sie Dinge, über die Sie lachen können! Sinn für Humor ist ein wertvolles Gut. Egal, wie schlimm es sein mag, es gibt immer eine lustige Seite der Medallie, auf die Sie sich konzentrieren können. Nehmen Sie sich selbst und Ihre Situation nicht zu ernst und denken Sie daran, dass gemeinsames Lachen auch eine gute Möglichkeit ist, neue Freundschaften zu schlieβen.

Informieren Sie sich über die Angebote und Programme, die Ihre Hochschule oder Stadtverwaltung bereit hält. Niemand wird Sie hängen lassen, wenn es Ihnen schlecht geht.