Queenstown – eine Stadt zum Verlieben

Würde Queenstown am Meer liegen würde sie für mich zu meinen absoluten Favoriten zählen! Die Begeisterung für diese Stadt mag sich vielleicht je nach Alter etwas differenzieren, für junge Leute ist aber auf jeden Fall immer etwas geboten. Wir kamen unter der Woche dort an und wollten nur auf einen Drink in die Stadt gehen und uns ein bisschen umsehen – was sich dort aber abspielte, hatten wir nicht erwartet: Für Neuseeland untypisch tummelten sich so viele Leute in den beiden Fußgängerzonen, dass man meinen könnte es wäre Freitagabend in einer Großstadt. Wie wir die nächsten Tage aber noch herausfinden sollten ist dies Normalzustand und die Kleinstadt rotiert einfach Tag und Nacht, egal ob unter der Woche oder am Wochenende.

Da wir in das neue Jahr in Queenstown feiern wollten hatten wir bei unserer Unterkunft im Prinzip keine Wahl- wer über Sylvester ein Zimmer buchen möchte, der sollte lieber um einiges zu früh als zu spät dran sein! Wir hatte Glück und fanden fünf Tage zuvor noch ein Hostel, welches zwei Betten frei hatte: Das „Last Resort“. Dass dieses zu einem meiner absoluten Lieblingshostels werden sollte, war mir damals natürlich noch nicht klar, es war nur dieses von allen BBH-Hostels noch verfügbar. Neben einigen BBH-Hostels gibt es natürlich auch ein Base-Hostel, zwei YHA Unterkünfte und eine Herberge von Nomads (alle drei sind bekannte Hostelketten Neuseelands). Letzteres soll angeblich neu und stylisch eingerichtet sein und wer jeden Tag feiern möchte, der ist dort bestimmt nicht an der falschen Adresse . YHA bietet auch hier saubere Unterkünfte an, das Base würde ich jedoch nicht empfehlen. Neben der ungemütlichen Atmosphäre kann dieses Hostel nicht mehr außer hässlichen Zimmern und heruntergekommenen Bädern bieten. Für mich persönlich kommen diese großen Hostels sowieso nicht in Frage, es ist schöner die „Mitbewohner“ alle zu kennen und sich in einer gemütlicheren Umgebung etwas wie Daheim zu fühlen.

Und damit konnte unsere Wahl definitiv punkten: Dieses kleine BBH-Hostel liegt zentral in der Innenstadt und lässt einen mit seiner tollen Atmosphäre ganz vergessen, dass man nicht in seinem eigenen Wohnzimmer sitzt. Von außen schwer zu erkennen ist es in einem Garten gegenüber dem Rugbyfeld versteckt und man gelangt über ein paar Treppen und einen kleinen Bach zu dem Eingang. Es ist unbedingt der richtige Platz für Leute, die gerne auf dem Balkon relaxen, zusammen mit anderen ein großes Abendessen kochen und danach ausgehen wollen oder sich nach einem anstrengenden Tag auf den Sofas ausstrecken möchten und sich nicht an dem etwas renovierungsbedürftigen Zustand des Hauses stören. Bevor es als Backpacker den Reisenden ein Dach über dem Kopf bot war das „Last Resort“ nämlich eine etwas andere Herberge für liebesbedürftige Herren, worauf auch noch das unscheinbare Schild im Wohnbereich hinweist. Auf diesem werden günstige Massagen bei „Golden Scenes“ angeboten und mir wurde erst klar, um was es sich eigentlich handelt, als ich es im Internet googelte. Nimmt man solche Zwischenfälle wie durch die Deckenlampe ins Zimmer tropfendes Wasser, wenn vergessen wurde, die Plane über dem undichten Balkonboden auszubreiten, mit Humor und stört sich nicht an den etwas vernachlässigten Duschen dann kann man dort definitiv eine kleine Ewigkeit bleiben. Im Gegenzug zu dem noch renovierungsbedürftigen Zustand, an dem aber gearbeitet wird, gibt es dafür freies Internet und Frühstück sowie eine Heimkinoanlage. Und für etwas zu lachen ist der Husky Coco immer gut, egal welche Sirene, sie unterstützt Feuerwehr, Polizei und Sanitäter tatkräftig mit ihrem Geheule. Alles in allem habe ich mich dort sehr wohl gefühlt und aus meinen eigentlich geplanten 5 Nächten wurden eineinhalb Wochen in dieser gemütlichen WG aus Backpacker der ganzen Welt.

Queenstown an sich gilt in Neuseeland als das Zentrum aller Extremaktivitäten, in dem alles geboten wird, was sich je ein verrückter Kopf hat einfallen lassen: Von Bodyboarden, Raften und Jetboot fahren kann man seine Grenzen bis zum Bungyjump und Canyonswing austesten. Ich habe meine Grenzen beim Bungyjump ausprobiert, da ich das als Weihnachtsgeschenk bekommen hatte und daher mehr oder minder keinen Ausweg aus diesem wahnsinnigen Unterfangen hatte. Ich fand mich also in einem Bus auf dem Weg zum höchsten Sprung Ozeaniens wieder – dem Nevis Bungy. AJ Hackett bietet vom originalen Sprung von der Kawarau-Brücke bis hin zum Sprung in die Schlucht eines Canyons so ziemlich alles an, was einem in den Sinn kommen kann. In meinem Falle fuhr ich mit dem Schuttelbus bis an den Kamm eines steilen Hügels und von da aus ging es mit Sicherheitsgurt ausgerüstet via Seilbahn in die Mitte des Canyons. Alleine ein Blick durch den gläsernen Boden lässt den Puls schon verrückt spielen und wenn man erst einmal auf dem kleinen Absprung-Podest steht wird man schier wahnsinnig. Die Tatsache, dass ein neuer Mitarbeiter der Crew der Ansicht war, er könne die Fußfesseln bereits blind um meine Knöchel befestigen half mir nicht gerade dabei ruhig zu bleiben. Das Personal ist aber neben solchen Späßen äußerst professionell und man ist absolut in guten Händen, einige Gags und Sprüche gehören einfach zu dem Job dazu, ansonsten würde wohl die Hälfte der „Springer“ in Tränen ausbrechen und den Mut verlieren. Zu AC/DC Musik oder ähnlich antreibenden Liedern wird man dann auf den Absprung vorbereitet und auf „3,2,1 BUNGY!“ stürzt man sich in die Tiefe. Ich hatte wohl noch nie solche Todesangst und man muss seine Instinkte komplett ignorieren – der Adrenalinrausch und das Gefühl durch die Luft zu fliegen waren aber unglaublich! Ich würde jedem empfehlen, diese spezielle Art eines Abenteuers auszuprobieren und die eigenen Grenzen auszutesten, es ist sein Geld auf jeden Fall wert! Um seinen Mut später auch unter Beweis stellen zu können, kann man sich Fotos und Video von seinem Sprung in dem Firmencenter kaufen und ein T-Shirt wird einem zum Abschied geschenkt.

Neben den zahlreichen sportlichen Aktivitäten hat Queenstown aber noch einiges mehr zu bieten: Man kann den Tag genauso gut bei einer Weintour oder einem Stadtbummel und einer Bootsfahrt verbringen, am Abend kann man auch noch eine kleine Fahrt mit der Seilbahn zum Aussichtspunkt über die Stadt unternehmen. Und für all die jungen Leute hat die Innenstadt einiges in der Nacht zu bieten: Am Hafen entlang und in den Seitenstraßen verstecken sich lauter kleinere Bars und auch größere Clubs lassen sich recht leicht finden, man muss einfach einer organisierten „Pub Tour“ des Hostels Nomads folgen.

Ansonsten ist der „Fergburger“ ein besonderes Highlight der Stadt und für jeden Besucher ein absolutes Muss! Die Wartezeiten können sich zwar in die Länge ziehen, jedoch haben dieser Burgerladen und seine Burger schon den Kultstatus erreicht und ganz nebenbei schmeckt er auch sehr gut. Die beste Zeit, um nicht zu lange warten zu müssen, ist am Nachmittag. In dem kleinen Einkaufscenter an der Hauptstraße gibt es ansonsten noch ein ganzes Stockwerk mit verschiedenen Essensbuden – wobei mich das Butterchicken am meisten begeistert hat. Vor allem an sonnigen Tagen sollte man sich einfach mit einem Eis oder einem Kaffee an die Hafenpromenade beziehungsweise an den Strand setzten und das bunte Treiben betrachten oder dem botanischen Garten nebenan einen Besuch abstatten.

Weniger empfehlen würde ich hingegen eine Tour an den Milford Sound von Queenstown aus – man sollte lieber für eine Nacht in Te Anau bleiben und dabei gleich die Glühwürmchenhöhlen besichtigen. Von dort aus ist man in zwei Stunden an dem Sound und kommt damit um einiges günstiger weg! Wir machten uns aber noch nicht so schnell auf den Weg zu den südlicheren Gefilden sondern feierten Sylvester in Queenstown. Den Abend begannen wir mit Grillfleisch und Bier auf dem Balkon unseres Hostels und gegen Mitternacht machten wir uns auf den Weg zum Hafen um dort das Feuerwerk und die Livebands zu sehen. Die Stadt war in dieser Nacht komplett überfüllt, sogar das Rugbyfeld musste als provisorischer Campingplatz herhalten und überall in den Autos schliefen Leute (an sich ist das verboten, an Neujahr drückte die Polizei aber offensichtlich ein Auge zu). Die Strandpromenade war daher auch entsprechend voll und um zwölf Uhr lagen sich alle in den Armen und wünschten sich ein gutes neues Jahr. Nachdem das Feuerwerk leider recht kurz ausgefallen war und die Livebands auch um halb eins aufgehört hatten zu spielen verlagerte sich das ganze Geschehen in die umliegenden Bars und Clubs. Man konnte für Sylvester im Vorhinein Karten für spezielle Clubevents kaufen, wir hatten uns aber dafür entschieden einfach den Abend auf uns zukommen zu lassen und wir hatten einen tollen Start in das Jahr 2012, sogar um einen halben Tag früher wie in Deutschland! Und da wir ja genauso im neuen Jahr vorhatten, alle Ecken von Neuseeland zu erkunden, machten wir uns dann nach geplanten 5 Nächten nach letztendlich 11 Nächten in Queenstown auf den Weg nach Te Anau, jedoch war ich sicherlich nicht das letzte Mal in dieser pulsierenden Stadt…